14.02.2015

Palau - Tauchen III

Der Tag beginnt mit schönem Wetter und auch das Einchecken auf unser Boot geht flott. Mit uns unterwegs sind 5 Deutsche, 5 Schweizer, 1 Chinese und 1 Japanerin. Hiro ist wieder unser Guide.
Kaum dass wir aus dem Hafen draußen sind zeigt sich dann das wahre Bild: starker Wind und rauhe See (zwar bei weitem nicht so schlimm, wie in Hawaii, aber unser Bootstyp ist für keine rauhe See ausgelegt). Der Guide meint nur "Enjoy the bumpy ride". Und "bumpy" ist nur ein Hilfsausdruck für das, was die nächste Stunde folgt.
Aber schließlich kommen wir zu unserem Ziel am äußeren Ende des Atolls und machen uns für den ersten Tauchgang bereit. Der Platz nennt sich "Blue Hole" und ist eine große Höhle. Eigentlich hatten wir nicht vor in eine Höhle zu tauchen - jetzt, wo wir da sind, sagen wir aber auch nicht nein und machen mit.
Normalerweise wartet man beim Tauchen vom Boot an einer Boje zusammen, bis alle Taucher im Wasser sind und taucht dann gemeinsam ab. Wegen der Wellen und der starken Strömung ist der Treffpunkt dieses Mal aber unter Wasser in ca. 10 m Tiefe. Kaum schwimmen wir von dort weiter, sehen wir schon die ersten Haie (Bild 1. Reihe links). Wir tauchen entlang einer Wand uns sehen neben Haien noch andere Großfische. Der Eingang zur Höhle ist ein großes Loch, dass sich von 20 m bis 40 m Tiefe erstreckt. Im Inneren öffnet sich dann ein Dom von mindestens 50 m Höhe, von dem einige Seitengänge abführen. Hiro zeigt uns, wir sollen ihm folgen. Er will uns in einem Gang "Disco-Muscheln" zeigen. Wir folgen ihm, sehen zwar keine Muscheln, erleben dafür aber das Gefühl einen nicht mehr so großen Seitengang zu betauchen (Bild 3. Reihe links).
Im Dom selbst ist bemerkenswert, dass es zwar keine spürbare Strömung gibt, aber mehrere Schichten mit stark unterschiedlicher Temperatur. Unzählige Fische leben in der Höhle und ein Teil der Wände ist mit Korallen bewachsen. Der Ausgang ist dann ein kleineres Loch mit etwa 3 bis 4 m Durchmesser in 15m Tiefe (Bild 2. Reihe rechts). Nachdem wir aus der Höhle draußen sind lassen wir uns von der Strömung weiter entlang der Wand treiben, die von üppigen Korallenbständen bedeckt ist. An der Wand (bei uns in Tauchrichtung links) sieht man die Korallen und kleine bis mittelgroße Fische und auf der rechten Seite die ganz großen. Man kommt mit dem Schauen und Fotografieren kaum nach, soviel sieht man da. In Summe sind wir 46 Minuten unterwegs und die tiefste Stelle war 25,5 m. Das Bild in der sechsten Reihe zeigt Ariane beim Auftauchen, wie sie in 5 m Tiefe einen Sicherheitsstopp von drei Minuten Dauer macht.

Nach dem Auftauchen beginnt wieder die Wartezeit auf den nächsten Tauchgang. Unser nächster geplanter Tauchgang ist zwar nur wenige hundert Meter vom Big Hole entfernt, aber wegen des für unser Boot zu starken Wellengangs müssen wir ein Stelle suchen, an der das Meer ruhiger ist. Nahe dem "Big Drop Off", wo wir am ersten Tag getaucht haben finden wir eine und machen dort verfrühte Mittagspause. Wieder einmal kommen die Ranger in einem Boot vorbei und fragen nach unseren Permits.
Wegen der Dauer der Tauchgänge und der Tatsache, dass einige Leute immer tiefer als geplant gehen, dauert die Pause recht lang. Dann fahren wir aber zurück und am Programm steht "der berühmteste Tauchplatz der Welt" der "Blue Corner". Es handelt sich dabei um ein Plateau auf etwas weniger als 20 m Tiefe. In etwa im rechten Winkel zur Küstenlinie verläuft eine Kante, mit einer Steilwand nach unten (kein Boden sichtbar). Dort kommen aus der Tiefsee Großfische aller Arten vorbei und schwimmen in Richtung Atoll oder wieder zurück auf's offene Meer. So eine Art Autobahn für die ganz großen Meerestiere. Es ist einer der wenigen Orte auf der Welt an dem man (gefahrlos) Bullenhaie und Blauhaie beobachten kann.
Bedingt durch den Wellengang ist der Treffpunkt neuerlich am Meeresgrund. Kaum sind wir dort schwimmt ein einzelner Thunfisch von gut 2m Länge mitten durch unsere Gruppe (Bild 1. Reihe links). Am Weg zur Kante treffen wir mehrere Napoleon-Fische (Bild 2. Reihe links). Sie brauchen 5 Jahre, bis sie ausgewachsen sind und werden dann 2 m lang und bis zu 120 kg schwer. Und sie sind sehr neugierig und gar nicht scheu. Ein Exemplar von etwa 1,5 m Länge interessiert sich für Ariane und schwimmt ihr bis auf 10 cm vor die Maske und lässt sie in sein Maul schauen.
An der Kante angekommen lassen wir uns mit einer Strömung parallel zur Kante treiben und können die verschiedensten Raubfische (Makrelen (Bild 1. Reihe rechts), Baracudas (Bild 4. Reihe rechts) einzelne Thunfische und verschiedene Arten Haie, sowie einige Arten, die wir nicht bestimmen können) in weniger als 5 m Abstand zu uns vorbeischwimmen sehen. Als sich die Strömung um 90° ändert hängen wir uns mit Riffhaken an den Felsen ein und können so gemütlich weiter beobachten. Als die Strömung noch einmal dreht, lassen wir uns zurück auf's Plateau und dann in Richtung offenes Meer treiben. Wir sehen eine beeindruckende Anzahl an Fischen, sowohl die Anzahl der Arten, als auch die Anzahl der Individuen betrffend (z.B. drei große Schwärme von verschiedenen Snappern). Beim Auftauchen führt uns unser Guide mitten durch einen Schwarm Baracudas. Interessanter Weise haben die meisten Taucher vor diesen Fischen viel mehr Respekt, als vor Haien. In Summe dauert der Tauchgang 53 Minuten.

Wieder am Schiff ist unserer Begeisterung fast grenzenlos und wird nur durch die massiven Wellen gebremst. Selbst für die Pinkel-Pause müssen wir zuerst in ruhigeres Wasser fahren. Dort ergibt sich ein lustiges Bild. 5 Männer und eine Frau (Ariane) schwimmen in einer Reihe im Wassser, halten sich mit einer Hand am Boot bzw. der Außenleine fest (Strömung) und ... Das nennt man dann gemischte Toilette.
Die Rückfahrt wird sehr unangenehm. Unser Boot ist zwar super motorisiert (2 x 250 PS Außenbord), aber nicht für Wellen gebaut. Mit jeder größeren Welle ergießt sich ein Wasserschwall über Boot und Passagiere. Wenn das Gerücht war ist, das Zugluft (Fahrtwind + Gegenwind ca. 80 km/h) in Verbindung mit feuchter Kleidung zu Erkrankungen führt, dann werden wir morgen sterben. Zum Teil ist der Wasserschwall so stark, dass man kaum atmen kann. Nebenbei werden wir natürlich erstklassig durchgeschüttelt. Powerplate lässt grüßen. -)
Beim üblichen Rendezvous mit dem großen Tauchschiff gibt es einen kleinen Zwischenfall. Während der Skipper an Bord des Schiffs ist, reißt das Seil zu unserem Boot und wir treiben weg. Zum Glück haben wir einen Tauchassistenten an Bord, der das Boot steuern und wieder zurück zum Tauchschiff bringen kann.

Aber auch diese Fahrt hat ein Ende und wir kommen durchgeschüttelt und klatschnass an der Tauchbasis an. Der Tag ist aber noch nicht zu Ende. Das Boot wird jetzt für den dritten Tauchgang gerüstet. Die Gruppe ist jetzt aber kleiner und wir sind nur mehr zu fünft. Keine 15 Minuten nach dem Anlegen sind wir wieder unterwegs. Es geht zu einem nur etwa 10 Minuten von der Tauchbasis entfernten Wrack eines Schiffes.
Neben Höhlen, die wir nicht betauchen wollten (siehe oben), wollten wir auch in keine Wracks hineintauchen. Aber auch das blieb nur ein Vorsatz, wie man auf den Bildern in der ersten Reihe sieht. Im Unterschied zur Höhle hat uns das auch nicht so gut gefallen, weil es ist wirklich sehr eng, man muss extrem aufpassen und es hat im Schiffswrack nicht so viel zu sehen gegeben.
Schön ist aber, dass wir bei diesem Tauchgang Zeit haben um Dinge aus der Nähe anzusehen. Es gibt unglaublich viel Leben am Wrack und so können wir sehr viele verschiedene Eindrücke mitnehmen - ein paar davon auch auf Fotos.
Wir erreichen eine Tiefe von 21,1 m und sind 45 Minuten unter Wasser.

Als wir zurück in der Tauchbasis sind, müssen wir wie üblich unsere Ausrüstung reinigen. Obwohl wieder an Land, schwankt noch alles um uns. Wir waren mehr als 8 Stunden am Schiff. Und erstaunlicher Weise sind wir trotz des heftigen Wellengangs nicht seekrank geworden und haben sogar am Schiff gegessen.
Apropos Essen: Da wir schon sehr müde sind entscheiden wir uns gleich in der Kantine der Tauchbasis unser Abendessen zu bestellen. Es dauert zwar etwas, bis es am Tisch ist, ist dann aber überraschend gut (orientalische Vorspeisen, Calamari und Thunfischsalat). Am Tisch kommen wir mit zwei Deutschen ins Gespräch. Sie haben ihre Reise über Beluga-Reisen gebucht und haben in Summe ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erzielt (10 Tage mit Flug + Hotel + Frühstück + 16 Tachgänge um knapp über 3.000 EUR p.P.). Wenn man nur auf Palau will, sicher eine interessante Option.
Am Abend will Ariane im Hotel noch den Status unser Bananen prüfen (local fruits - aber leider unreif). Wir haben sie zusammen mit einem Apfel im Safe (einer Mauerniesche mit Holztür) zum Reifen eingesperrt. Als sie die Bananen in der Hand hat entdeckt sie auf ihnen eine große Kakerlake. Nach einer kurzen Schrecksekunde und anschließender Verfolgungsjagd landet sie vor der Tür.


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