Wegen der Versammlung wird es am VM etwas später, bis wir startklar sind. Wir schmökern im Internet, was lohnenswerte Ziele wären und bleiben bei nächtlichen Tauchgängen mit Mantarochen hängen. Wir rufen bei einer Tauchbasis an, die eine Kombination aus zwei Tauchgängen anbietet - am Nachmittag das Riff erkunden und dann in der Nacht mit den Rochen tauchen.
Die Mantarochen auf Hawaii leben in einer Art Symbiose mit den Menschen. Durch das künstliche Licht der Taucher, Schnorchler und der Flughafenscheinwerfer wird eine bestimmte Art Plankton angelockt, die wiederum die Lieblingsspeise der Rochen ist. In Folge gilt hier ausnahmsweise, dass mehr Taucher die Aussichten die Tiere zu sehen verbessern, statt verschlechtern.
Wir starten kurz vor Mittag und überqueren die Insel in der Mitte zwischen den Vulkanen Mauna Loa und Mauna Kea. Der Pass liegt auf über 2000 m Seehöhe. Die Fahrt ist sehr eindrucksvoll.
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Am Zielort angekommen melden wir uns einmal in der Tauchbasis und gehen dann noch gemütlich essen. Wir fahren dann in den Hafen, wo auf ein dieses Mal deutlich größeres Boot eingecheckt wird. Mit uns am Schiff sind noch 3 Paare, die Schnorcheln werden, sowie 6 andere Taucher. Wir Taucher werden in 2 Gruppen geteilt, sodass wir dann noch einen Mann und einen Instruktor im Team haben.
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Nach dem Verlassen des Hafenbeckens werden unserer schlimmsten Befürchtungen war - wieder sehr rauhe See. Unsere Gruppe soll das Tauchbriefing am Bug (bow im Englischen) machen. Wenn man dort steht (bzw. besser gesagt sich an den Geländern festklammert) hat man das perfekte Hochschaubahnfeeling. Die Distanz zwischen Wellenkamm und Wellental ist bei einigen Wellen sicher größer als 6 m. :-0
Man muss aber fairer Weise auch sagen, dass man dort auch einen tollen Blick auf's Meer hat und so entdecken wir gleich mehrmals Buckelwale in unmittelbarer Nähe unseres Bootes. Als wir uns dann der Bucht nähern (beim Flughafen von Kona), in der der Tauchgang stattfinden soll, taucht direkt vor uns eine Schule von ostpazifischen Delfinen (Spinnerdelfine) auf. Damit haben wir schon einmal viel geboten bekommen - ohne dass wir im Wasser waren.
Nachdem das Boot an einer Boje vertaut ist, schaukelt es heftig im starken Wellengang. Wir schaffen es aber trotzdem unsere Ausrüstung anzulegen und ins Wasser zu springen und so unseren Nachmittagstauchgang zu beginnen.
Ab etwa 10 m Tiefe ist die Lage deutlich besser, aber wir werden noch immer von der für Wellen typischen Vor- und Zurückströmung beeinflusst. Der Korallenbewuchs ist etxtrem schön und das Riff scheint sehr gesund zu sein - es gibt kaum Stellen mit abgestorbenen Korallen am Boden.
Plötzlich macht unser Guide das verabredete Klopfgeräusch an seinem Lufttank, das wir für den Fall, dass etwas besonderes passiert, vereinbart haben. Er zeigt in eine Richtung und macht das Zeichen für Mantarochen. Und tatsächlich taucht da ein riesiger Rochen schon am Tag direkt vor uns auf und schwimmt knapp an uns vorbei. Der Guide erzählt uns später, dass solche Sichtungen am Tag eher selten vorkommen.
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Nach 34 Minuten sind wir wieder zurück am Boot (maximale Tiefe war 20,5 m). Inzwischen hat sich das Schaukeln weiter verstärkt und aus der Gruppe der Schnorchler leiden bereits alle Frauen an der Seekrankheit und "füttern" abwechselnd die Fische. Wir können aber nicht wieder gleich ins Wasser zurück, weil zwischen zwei Tauchgängen eine gewisse Zeit vergehen muss, dass die Stickstoffanreicherung im Blut wieder zurückgeht. Außerdem sollen die Mantarochen nach Sonnenuntergang besonders aktiv sein.
Also warten wir die nächsten eineinhalb Stunden auf unserem schwankenden Schiff. Abwechslung bringen die Delfine, die zu unserem Boot zurückkehren und beweisen, wieso Spinnerdelfine genannt werden. Der Name kommt vom englischen Ausdruck (to spin), was eine drallförmige, schraubenartige Bewegung bezeichnet. Und wirklich springen die Delfine immer wieder aus dem Wasser und drehen sich dabei mehrfach um die eigene Achse. Es sieht so aus, als würden sie für uns vor dem Boot eine Show abziehen wollen (der Grund für dieses Verhalten ist unbekannt).
Als es dann endlich so weit ist und wir Taucher uns für das Einsteigen bereit machen, gibt es noch einmal eine Überraschung. Ein Mantarochen ist vom Licht unseres Boots angelockt worden und taucht direkt neben dem Boot auf. Er ist riesengroß grob geschätzt 4 m breit und ebenso lang) und umkreist das Heck (im Englischen Stern) unseres Bootes.
Dann sind wir auch schon im Wasser (nur mehr wir beide und unser Guide - der Mann, der zuerst in unserer Gruppe war, sowie ein weiterer Mann aus der anderen Gruppe entscheiden sich den Nachttauchgang nicht mitzumachen). Tauchen im Dunkeln ist so eine Sache für sich. Tauchlampe, Kamera, richtiges Tarieren (schweben in der richtigen Höhe), die Strömung, Druckausgleich und Beobachten bzw. Aufpassen (zu einem, dass man nirgends an den Korallen anstoßt und sie beschädigt und zum anderen auf die giftigen und bissigen Zeitgenossen, die es da in erheblicher Zahl gibt) und das alles zur gleichen Zeit fordern einen ziemlich.
Um die Taucher aus der eigenen Gruppe zu erkennen, haben alle an den Tanks ein Lämpchen in der gleichen Farbe und der Guide hat zwei. Würde man sich nämlich verlieren, hätte man sonst kaum eine Chance zu erkennen, zu welcher Gruppe man gehört.
Wir müssen dann zu einer bestimmten Stelle tauchen, an der sich alle Taucher treffen, die in der Bucht sind. Dort "setzen" wir uns auf den Boden (in ca. 15 m Tiefe) und richten alle unsere Lichter nach oben, damit eine beleuchtete Wassersäule entsteht. Die Schnorchler sind an der gleichen Stelle ganz oben uns leuchten nach unten. Damit soll besonders viel Plankton und in Folge Mantarochen angelockt werden.
Tatsächlich tauch schon kurz später einer auf, der mit weit offenem Maul mit nur wenig Abstand über uns hinwegschwimmt. Dann tut sich länger nichts. Und es ist wirklich anstrengend, da zu sitzen, während die Strömung an einem reißt, oder man vom nach oben schauen Wasser in den Mund oder die Tauchermaske bekommt. Aber dann taucht noch einmal einer auf, kommt genau auf uns zu und schwimmt weniger als 20 cm über uns hinweg (wir halten beide den Atem an, um ihn mit unseren Luftblasen nicht zu verärgern). Dieses Erlebnis war etwas ziemlich einzigartiges. Es gelingen zwei kurze Videos, die recht gut geworden sind.
Beim Zurückschwimmen sehen wir unter anderem unseren ersten Rotfeuerfisch (eigentlich überraschend klein) und eine schöne große Muräne. Ein Schwarm größerer blauer Fische begeleitet uns zurück zum Boot. In Summe sind wir 37 Minuten unterwegs.
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Zurück am Boot kann jetzt auch Ariane dem Drang nicht mehr widerstehen den Fischen eine kleine Nachspeise zu überlassen. Die Schnorchler hatten an diesem Tag noch eine bessere Sicht. Vor ihnen haben 6 Mantarochen in rollenartigen Bewegungen den Plankton "abgegrast".
Da wir bei der Rückfahrt mit den Wellen fahren, fühlt sich die Fahrt etwas ruhiger an. Es ist stockdunkel und wir haben einen wunderschönen Sternenhimmel über uns.
Zusammenfassend war es ein erstklassig organisierter Ausflug. Es gab Listen, in denen Anwesenheit und Vorkenntnisse erfasst wurden. Am Boot gab es dann für alles bestimmte Plätze (eine Leine zum Aufhängen der Wasserbecher, eine andere für die Sonnenbrillen und für jeden einen Platz mit der Ausrüstung, der mit einem Namensschild markiert war). Die Gruppen wurden klein gehalten und es gab wirklich gute Briefings. Nach den Tauchgängen wurde von der Crew alles gereinigt (auch die private Ausrüstung) und wieder an die richtigen Plätze gebracht. In Summe eine sehr empfehlenswerte Firma (Jack's Diving Locker).
Zurück im Hafen verstauen wir unser Zeug im Auto und machen uns auf die Rückreise. Da wir noch viel Stickstoff im Blut haben, dürfen wir nicht über den Gebirgspass fahren und müssen den Umweg über den Norden der Insel in Kauf nehmen. Das bedeutet etwas mehr als zwei Stunden Fahrzeit. Aber schließlich kommen wir zufrieden und noch etwas schwankend zu Hause an.