29.01.2015

Hawaii - Tauchen I

Heute heißt es schon um 4:50 aufstehen, weil wir um 6:30 an der Südspitze der Insel (30 Minuten Fahrzeit) sein müssen, wo unser Tauchkurs startet. Im Finsteren verfehlen wir die Einfahrt zu dem Einkaufszentrum (direkt am Hafen), in dem die Tauchschule untergebracht ist. Aber nach ein paar Mal hin und her und 5 Minuten Verspätung sind wir dann doch die ersten bei der Schule.
Dort müssen wir dann noch diversen Papierkram ausfüllen und uns umziehen (wir bekommen die 5mm-Anzüge empfohlen - und wie sich später zeigt, passt das perfekt). Mit uns kommen dann noch 2 Männer aus der USA, der Tauchlehrer und die Skipperin auf's Boot. Für die beiden Amerikaner ist es Chartertauchen, für uns sollen es die Tieftauch- und Fotografierübungseinheiten werden.
Inzwischen hat es gedämmert und ein total wolkenverhangener Himmel zeigt sich. Außerdem macht sich unmittelbar nach der Ausfahrt aus dem Hafen ein starker Wind - und damit verbunden hohe Wellen bemerkbar.
Mit unserer kleinen Nussschale kämpft die Skipperin gegen die Wellen an und bringt uns auf's offene Meer zu einer Stelle, wo im 2. Weltkrieg ein japanischer Kampfflieger abgestürzt ist. Der Lehrer erklärt uns, dass das Wrack auf 31 m Tiefe liegt und dass er dann unten mit uns ein paar Tests machen wird, um festzustellen, ob sich bei uns der Tiefenrausch bemerkbar macht. Ariane ist es vom Wellengang inzwischen so schlecht, dass sie nicht sicher ist, ob sie überhaupt tauchen kann. Aber wir probieren es und handeln uns entlang eines Seils nach unten. Schon nach wenigen Metern ist der Seegang nicht mehr zu spüren. Obwohl wir dann schnell tiefer kommen, bleibt die Sicht erstaulich gut (bis auf das, dass der Rotanteil verloren geht).
Schließlich kommen wir am Boden an. Unser Lehrer gibt uns eine Tafel mit einer Rechenaufgabe und nachdem wir diese bestanden haben, dürfen wir rund um den abgestürzten Flieger tauchen. Leider haben wir die Kamera nicht mitgenommen (weil wir uns noch unsicher waren, ob wir nicht mit dem Tauchen selbst mehr als beschäftigt sein werden). Es bietet sich nämlich ein wirklich tolles Bild. Das Metallgerippe des Fliegers ist von Korallen besiedelt worden und bietet darüber hinaus unzähligen Fischen einen Lebensraum.
Während wir um das Wrack tauchen, hören wir immer wieder den Gesang von Walen, die wohl auch irgendwo da vor der Insel unterwegs sind. Der Lehrer macht uns dann auch noch auf Fische aufmerksam (er hat sie Aale genannt), die zu hunderten senkrecht aus dem Sand hervorstehen und sich blitzschnell zurückziehen, sobald man sich ihnen nähert.
Durch den größeren Luftverbrauch bei einem so tiefen Tauchgang (32,2 m) und die erforderlichen Sicherheitsstopps beim Auftauchen können wir nicht so lange in der Tiefe bleiben. In Summe sind wir 24 Minuten unter Wasser.

Wieder an Bord des Bootes schaukeln wir schlimmer als zuvor. Ariane darf gleich in der Praxis prüfen, warum das "throw up on the leeward side of the boat" gemacht wird (auf steirisch: nicht gegen den Wind speiben) und David ist es inzwischen auch schlecht. Wir fahren in Richtung Süden näher an die Küste zum nächsten Tauchspot. Plötzlich schreit die Skipperin auf und stoppt die Motoren. Unmittelbar vor uns ist eine Walmama mit ihren Kalb aufgetaucht. Sie ist um einiges größer als unser Boot. Wir beobachten die beiden, wie sie an uns vorbeischwimmen. Das Kalb taucht viel öfter auf, die Mutter springt sogar einmal aus dem Wasser.
Ein wenig später kommen wir am zweiten Spot an. Unser Lehrer geht voraus ins Wasser, aber die Sicht ist so schlecht, dass er schon nach einer halben Minuten wieder an Bord kommt. Wir müssen zu einem anderen Platz mit besserer Sicht fahren. Ariane quittiert das mit dem in der Theorie gelernten mit dem Wind über Bord beugen.
Schließlich kommen wir an einer Stelle an, die unser Lehrer für gut befindet und wir gehen wieder alle ins Wasser. Die Stelle ist wesentlich seichter als zuvor (maximale Tiefe 13,5 m) und wir tauchen rund um eine kleine Felserhebung an deren Seiten Korallen wachsen.
Dabei können wir eine Unzahl von kleineren Fischen beobachten (und dieses Mal auch fotografieren). Unser Lehrer zweigt uns immer wieder besondere Stellen und auch wir entdecken einiges. Besonders interessant ist ein etwa 15 bis 20 cm großer Tintenfinsch. Als wir ihn aus seinem Versteck heraustreiben verabschiedet er sich mit einer riesigen Tintenwolke und schießt blitzschnell davon. Später zeigt uns unser Lehrer auch noch eine ziemlich große Muräne, die sich in einer kleinen Höhle versteckt. Wegen der geringeren Tiefe können wir 44 Minuten unter Wasser bleiben, bis bei einem der Amerikaner die Luft knapp wird.
Zurück am schwankenden Schiff ist jetzt auch David an der Reihe sich in die richtige Richtung zu übergeben (es geht nichts darüber, als die Theorie durch praktische Übungen zu verinnerlichen). Aber schließlich erreichen wir wieder die ruhigen Gewässer der Hafeneinfahrt und alles ist wieder ok. Unser Lehrer meint, wir wollten ja advanced divers werden und der heutige Auslflug war wirklich ein advanced diving (später erfahren wir dann, dass alle Tauchgänge für den Nachmittag wegen des hohen Seegangs abgesagt wurden).
In Summe war es aber bis jetzt eine sehr gute Idee den Kurs für Fortgeschrittene zu belegen, weil wir so zum einen das Zertifikat bekommen und zum anderen vollwertige Chartertauchgänge mitmachen können. Morgen ist Ruhetag, dafür stehen dann am Samstag gleich vier Tauchgänge an. Hoffentlich bei ruhigerer See - der Besitzer der Tauchschule verspricht es uns zumindest.

Den Nachmittag verbringen wir faulenzender Weise auf unserem Hausstrand. Es schaut zwar hin und wieder die Sonne vorbei, aber in Summe ist es wegen des starken Winds zu kühl zum Baden und wir bevorzigen bis auf weiteres festen Boden unter den Füßen.

Zurück im Zimmer erledigen wir eine weitere Theorie-Lektion unseres Online-Tauchkurses. Wir lernen in nur wenigen Tagen erstaunlich viele neue englsiche Vokabeln ;-)
Dann machen wir uns für die Versammlung fertig. Leider klappt das aber nicht wie geplant. Wir stehen dann zwar zur richtigen Zeit am richtigen Ort (wie uns das Schild bestätigt), aber entweder ist da gerade KA-Besuch oder ein Kongress. Also wieder zurück nach Hause und früher schlafen gehen.


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